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David Adam montiert Installation anlässlich der Deportation Jüdischer Menschen aus Dresden

  • Autorenbild: Syl Vie
    Syl Vie
  • 19. Jan. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Mai 2023


Vor 80 Jahren, am Morgen des 21.01.1942 fand vom Alten Leipziger Bahnhof in Dresden die erste Deportation Jüdischer Menschen aus Dresden statt. Lediglich eine kleine Tafel am Eingang des Neustädter Bahnhofs erinnert heute daran. 785 sächsische Jüdinnen und Juden wurden an diesem Tag von Leipzig und Dresden in das Rigaer Ghetto deportiert. Davon kamen 224 Deportierte aus Dresden-Bautzen. Nur 17 von ihnen überlebten.


Der Güterbahnhof Dresden-Neustadt – auch Alter Leipziger Bahnhof genannt – war zwischen 1942 und 1944 Ausgangspunkt oder Zwischenstation für Deportationen jüdischer Frauen, Männer und Kinder in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Heute erinnert am Bahnhof Dresden-Neustadt seit 2001 eine Tafel an die Ereignisse. Der eigentliche Ort des Geschehens, der Güterbahnhof Dresden-Neustadt, der als Leipziger Bahnhof 1839 die Eröffnung der ersten Ferneisenbahnstrecke Deutschlands erlebt hatte, ist bis heute als Erinnerungsort nicht bezeichnet.


Auftakt am 20. Januar 2022: Montage von "Wann. Wieviele. Wohin" am ehemaligen Empfangsgebäude


Eine Kunstinstallation des Künstlers David Adam und eine Gedenkveranstaltung am 20.01.2022 sind der Auftakt, damit dieser Ort nach und nach seiner Bestimmung gerecht wird. Start ist 18 Uhr auf der Eisenbahnstraße 1 in 01097 Dresden.


"Schon länger haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir mit der Geschichte des Ortes umgehen können." (David Adam)

„Schon länger haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir mit der Geschichte dieses Ortes umgehen können“, sagt David Adam, Vorstand des Vereins Hanse 3 e.V. Der Künstler nutzt auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs Ateliers, Proben- und Veranstaltungsräume. „Uns war ja bekannt, dass von dem Ort, an dem wir heute künstlerisch arbeiten, jüdische Menschen deportiert wurden", so Adam weiter.

David Adam in seinem Atelier auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs


"Wann. Wieviele. Wohin.": Kunst befähigt zum Nachdenken über Dresdner Erinnerungskultur


Anläßlich des 80. Jahrestages der ersten Deportation sächsischer Jüdinnen und Juden vom 21. Januar 1942 ließ David Adam drei Bahnhofsschilder in Emaille anfertigen, die ab dem 20.01. an der Ruine des ehemaligen Empfangsgebäudes montiert sein werden. „Ich will einer späteren möglichen Gestaltung und Bezeichnung des Alten Leipziger Bahnhofes als Erinnerungsort nicht vorgreifen, sondern mit künstlerischen Mitteln ein Nachdenken über den Umgang mit Orten der Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus und die Diskussion über die Erinnerungskultur am Beispiel dieses ehemaligen Güterbahnhofes befördern.“


Neben den drei Bahnhofsschildern verweisen 2 kleinere Tafeln mit QR-Codes auf die Domain www.wann-wieviele-wohin.de, auf der David Adam Informationen zu den Deportationen aus Dresden gesammelt hat. Es sind verschiedene Initiativen verlinkt, die sich schon seit Jahren mit dem Thema Erinnerungskultur in Dresden befaßt haben. Außerdem listet er vergleichbare Orte und den dortigen Umgang mit dem Thema Deportationen auf.


Was ging der Aktion voraus?


Am 22. April 2021 hatte der Stadtrat beschlossen, am Alten Leipziger Bahnhof in Bezugnahme auf das städtische Konzept für Erinnerungskultur unabhängig vom Standort eines zu gründenden jüdischen Museums einen angemessenen Erinnerungsort zum Gedenken an die Shoah - die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden - zu errichten. Die Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch, hatte daraufhin einige an Erinnerungskultur Interessierte eingeladen, um über den Umgang mit einem zukünftigen Erinnerungsort Alter Leipziger Bahnhof zu sprechen. „Im Austausch mit einzelnen Akteurinnen dieser Runde (vom Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit, des Stadtmuseums und des Zentralwerks) kam mir die Idee zu einer künstlerischen Annäherung an den Ort und das Thema Deportation", so Adam weiter.


Bereits 2021 hatte es in der Hanse 3 eine Gedenkveranstaltung mit dem Verein Stolpersteine Dresden e.V. gegeben. Gemeinsam ging man danach zu einer Videoinstallation von David Adam auf die Fassade des ehemaligen Empfangsgebäudes. Besucherinnen und Besucher, die in die Projektionen anfahrender Züge traten, warfen ihre Schatten auf das Bahnhofsgebäude.


Eine abschließende historische Betrachtung sollte man von dieser Sammlung nicht erwarten. Ein paar Entdeckungen könnte diese Webseite dennoch bereithalten, da David Adam unter anderem private Tonaufnahmen eines Überlebenden erhielt, der nach seiner Befreiung nach England auswanderte.


David Adam, 1970 in Dresden geboren, ist in den letzten Jahren mit ernsthaft-ironischen Aktionen im öffentlichen Raum bekannter geworden. In Kommentaren zu Politik, Zeitgeschehen und Geschichte, schlug er sein Pseudonym Dada Vadim als Prototypen für ein „Bürgerdenkmal für Dresden“ vor oder trat als Recher des Zwingerhofes heimatschützend in Erscheinung.

Ahnen warnen - Kunst im öffentlichen Raum von David Adam


Weitere Informationen über David Adam unter www.wann-wieviele-wohin.de und www.davidadam.de.


Bildquelle: Emailleschilder auf Empfangsfassade - ©David Adam, Bild 2 und 3: ©Sylvi Weidlic



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